Südtirol_05

Südtirol – auch für Landschaftsgärtner interessant

von Peter Weyman

Unbedingt sehenswert:
die Gärten des Schlosses
Trauttmansdorff
bei Meran

Das Motto der Landshuter Fachschule in der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau lautet: „Im Sommer arbeiten – im Winter die Meisterprüfung“. Ausnahmen davon sind drei Wochen im Sommer. An fünf Tagen im Juni 2005 besuchten die Meisterschüler interessante Ziele auf dem Weg nach und in Südtirol.

Betriebsbeurteilung

Firmenbesuche sind ein wichtiger Bestandteil der Sommerschulwochen. Die Studierenden trainieren hierbei den betriebswirtschaftlich geprägten Prüfungsteil „Betriebsbeurteilung“. Das Semester besuchte auf dem Weg nach Bozen das Lenggrieser Unternehmen Fuchs baut Gärten. Es bedarf innovativer Ideen, damit ein Betrieb mit etwa 40 Mitarbeitern im Marktsegment Privatkundschaft erfolgreich ist. Umweltbewusstes Handeln und unternehmerischer Erfolg sind für Geschäftsführer Fred Fuchs miteinander verbunden. So werden Leerfahrten durch Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen im Geschäftszweig „Fuchs Erden und Substrate“ möglichst minimiert.

Kristallwelten

Die Verkaufsanlagen
der Firma Swarovski
in Wattens bei Innsbruck
wurden von André Heller
geplant.

Auf dem Weg nach Südtirol liegen die Kristallwelten der Firma Swarovski. Die Außenanlagen wurden von André Heller geplant. Über 700.000 Besucher jährlich hinterlassen ihre Spuren. Der für die Pflege der Außenanlagen zuständige Mitarbeiter gab einen Einblick in seinen Verantwortungsbereich und die Veränderungen, denen diese Anlage unterworfen ist. Das in Form einer Hand gepflanzte Labyrinth bestand zuerst aus Eiben. Zur Vermeidung von Allergien und Vergiftungsfällen wurden die Eiben durch Hainbuchen ersetzt. Die steilen Böschungen der Anlage müssen mit Absperrungen gegen unvernünftige Besucher gesichert werden.

Gehölzkunde im Archäologiemuseum

In Bozen befindet sich auch das „Ötzi-Museum“. Bei einer Führung lernten die Studierenden Aspekte der Gehölzverwendung vor 5000 Jahren kennen. Der Gletschermann wickelte Glut in frische Ahornblätter ein und transportierte sie in einem Gefäß aus Birkenrinde. Sein Bogen bestand aus Eibenholz, die Pfeile aus Zweigen von Viburnum und Cornus mas. Für den Rahmen des Transportrucksacks wurde Lärchen- und Haselholz verwendet.

Stadtgärtnerei Bozen

Die Landshuter Meisterschüler erfuhren von zwei Mitarbeitern des Bozener Amtes für den Schutz der Umwelt und des Territoriums interessante Details über die Pflege des Stadtgrüns. Wie vielerorts in Deutschland müssen die Stadtgärtner mit immer weniger Geld immer mehr leisten. Die Bevölkerung wünscht nach wie vor ansprechend gestaltete Blumenbeete. Wer Führungsaufgaben in der Südtiroler Verwaltung übernehmen will, muss in der Regel zweisprachig sein.

Ingenieurbiologische Sicherungsbauweisen

Von Mitarbeitern einer Vinschgauer Forstinspektion lernten die Studierenden Bauweisen kennen, die sie zuvor meist nur aus den Lehrbüchern kannten. Bepflanzte Hangroste sichern labile Erdschichten. Armierungsgitter mit Vliesen und Buschlagen bilden „ lebend bewehrte Erde“. Holzkrainerwände bestehen aus einem Gerüst von „Läufern und Bindern“ und werden mit austriebsfähigen Buschlagen zur Festigung von Abbrüchen eingesetzt. Die Mitarbeiter setzen sich auch zur Bewahrung regionaltypischer Zaunbauweisen ein. Beim Speltenzaun werden gespaltene flache Hölzer senkrecht in die Erde geschlagen. Fichtenzweige werden erhitzt und dann im Kreuzbandmuster um die Spelten gebunden.

Landschaftsbau verwurzelt im Zierpflanzenbau

Die Forstverwaltung
im Vinschgau pflegt
traditionelle Zaunbauweisen.

Die Studierenden besuchten mit der Gärtnerei Platter in Eppan und Galanthus in Lana bei Meran zwei Betriebe, die landschaftsgärtnerische Arbeiten durchführen. Wege- und Pflasterbau ist nach Aussage der Unternehmer keine typische landschaftsgärtnerische Arbeit in Südtirol. Sie konzentrieren sich überwiegend auf vom Baustoff Pflanze geprägte Gewerke – Gehölz- und Staudenpflanzungen, Rollrasen, aber auch Schwimmteiche und Dachbegrünungen. Ein attraktives Marktsegment für Südtiroler Gärtner ist das Hotel- und Gaststättengewerbe. Wenn der Landschaftsgärtner auch ein Gartencenter besitzt, reicht die Dienstleistung von der Gestaltung der Außenanlagen bis zum Blumenschmuck auf den Tischen. Besuchenswert ist der Klostergarten des Deutschen Ordens in Lana, der von der Gärtnerei Galanthus gepflegt wird. Die Anlage wird auch für Lesungen, Konzerte und Seminare genutzt.

Laaser Marmor

Die kleine Ortschaft Laas im Vinschgau ist wegen der Verwendung eines besonders weißen und reinen Marmors interessant. Die Abbaustätten befinden sich in über 2000 Metern Höhe im Nationalpark Stilfser Joch. Die riesigen Blöcke werden mit einem Schrägaufzug zur Verarbeitung ins Tal gebracht. Besonders sehenswert sind der Stadtplatz und die Friedhofsmauer.

Gärten von Schloss Trauttmansdorff

Jeder gärtnerisch interessierte Besucher Südtirols sollte sich ein paar Stunden Zeit für eine Fachführung durch die Gärten am Schloss Trauttmansdorff bei Meran nehmen. Ein abwechslungsreicher Wegeverlauf rund um das frühere Feriendomizil der österreichischen Kaiserin „Sissi“ bietet Ausblicke in die Landschaft und Einblicke in die Pflanzenverwendung.

Golfplatzbau

Auf der Rückfahrt nach Bayern besuchten die Landshuter Meisterschüler den Golfclub Chieming. Zum Zeitpunkt der Exkursion waren Ausführungsarbeiten zur Erweiterung der Anlage im Gange. Die Erklärungen des Head-Greenkeepers machten deutlich, wie viel Wissen für die anspruchsvolle Tätigkeit Golfplatzpflege erforderlich ist. Im Vordergrund steht auch hier die Kundenzufriedenheit.

Wichtiger Beitrag zur Prüfung

Der Unterricht im Winter bezieht sich immer wieder auf die bei den Exkursionen erhaltenen Informationen. Die Sommerschultage sind daher ein wichtiger Bestandteil zur erfolgreichen Vorbereitung auf die Meisterprüfung. Die Schule bedankt sich bei allen, die zum Erfolg der Sommerschultage beigetragen haben.

Stimmen von Studierenden

Claudia Dittmann, München:
Wir haben uns in der Woche untereinander besser kennen gelernt. Vom Fachlichen haben mir die Betriebsbesichtigungen besonders viel gebracht.

Johannes Hausler, München:
Diese Semesterwoche war vollgepackt mit fachlichen und kulturellen Besichtigungen und Informationen, doch der Spaß kam auch nicht zu kurz.

Thomas Huber, Siegsdorf:
Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff waren für mich besonders interessant. Da werde ich wieder hinfahren. Auch die Einblicke in die Arbeitsbedingungen anderer Länder fand ich sehr informativ.

Lisa Kümmeth, Ludenhausen:
Die Ingenieurbiologischen Bauweisen fand ich sehr interessant. Als normaler Landschaftsgärtner sieht man so etwas ja nicht jeden Tag. Die Stimmung war gut - und auch das Abendprogramm.

Internetadressen zur Exkursion